Auswandern nach Australien mit Kindern (2 und 6 Jahre): Unsere ehrliche Vorbereitung

Kurz gesagt: Wir wandern im Sommer 2026 mit unseren zwei Kindern (6 und 2 Jahre) nach Australien aus – genauer gesagt in die Region Byron Bay / Northern Rivers. Dieser Beitrag beschreibt, wie wir Joris und Linnea auf diesen großen Schritt vorbereiten. Was funktioniert, was schwierig ist, welche Fragen ein 6-Jähriger stellt und wie wir damit umgehen. Keine Anleitung, sondern unsere echte Erfahrung. Für Familien die Ähnliches planen – oder sich fragen ob sie verrückt wären es zu tun.


Inhaltsverzeichnis

  1. Warum wir das unseren Kindern "antun"
  2. Joris (6): Er versteht es – und das macht es kompliziert
  3. Die Frage die uns getroffen hat
  4. Linnea (2): Zu klein zum Verstehen, trotzdem dabei
  5. Wie wir das Thema eingeführt haben
  6. Englisch lernen: StudyCat statt Vokabellisten
  7. Die Reaktionen aus dem Umfeld
  8. Was wir Joris nicht gesagt haben
  9. Unser Fazit nach Monaten der Vorbereitung

Warum wir das unseren Kindern "antun"

Ich höre die Frage schon: "Warum reißt ihr eure Kinder aus ihrem gewohnten Umfeld?"

Die ehrliche Antwort: Weil wir glauben, dass es langfristig das Richtige für sie ist. Und weil wir merken, wie sehr uns Deutschland gerade runterzieht.

Das klingt hart. Ist es auch.

Sieben Jahre habe ich ein Restaurant betrieben. Die Sommer waren besonders brutal – ich war quasi nicht zuhause. Das hat die Kinder betroffen, auch wenn sie es nicht direkt gesagt haben. Jetzt, wo das Restaurant geschlossen ist, merke ich erst richtig was wir verpasst haben.

Was wir uns für die Kinder erhoffen

Mehr Verbundenheit zur Natur. Das Leben findet in Australien draußen statt – eigentlich das ganze Jahr über. Nicht nur am Wochenende wenn das Wetter passt, sondern als Normalzustand.

Gut gelaunte Menschen um sie herum. Wir haben das Gefühl, dass die Stimmung in Deutschland immer schlechter wird. Leute sind oft schlecht gelaunt, ärgern sich über alles Mögliche. Das merken wir in unserem Alltag, und es zieht Lucy und mich runter – was sich dann auf die Kinder überträgt.

In Australien ist auch nicht alles toll. Viele Gespräche sind oberflächlicher als hier. Aber die Grundstimmung, vor allem in der Region wo wir hinwollen, ist einfach positiver.

Weniger Sorge um die Zukunft. Nicht nur innenpolitisch, auch außenpolitisch sehen wir viele Dinge in Deutschland schlechter werden. Gerade was Perspektiven für die Kinder betrifft. Das mag dramatisch klingen. Aber es ist ein ehrlicher Grund.


Joris (6): Er versteht es – und das macht es kompliziert

Joris wird im November sieben – den Geburtstag feiert er schon in Australien. Als wir ihm das gesagt haben, war seine Reaktion typisch Kind: Er freut sich, weil er endlich mal im Sommer Geburtstag hat.

Aber es ist nicht nur Vorfreude.

Es war ein Prozess, kein Moment

Den einen Moment, wo er es "kapiert" hat, gab es nicht. Es war eher ein langsames Realisieren über Wochen und Monate. Er freut sich auf das Abenteuer – aber man merkt ihm auch an, dass eine gewisse Last aufkommt.

Wie sich das zeigt: Er ist deutlich anhänglicher geworden. Normale Dinge wie morgens in den Kindergarten gehen sind plötzlich schwieriger, obwohl er eigentlich gerne hingeht und vorher alles gut war. Er möchte nicht mehr so viel weg aus unserer Nähe.

Das ist anstrengend. Aber auch verständlich. Sein ganzes kleines Leben verändert sich gerade, und er spürt das.

Was wir ihm zeigen

Wir zeigen ihm viele alte Fotos von uns aus der Zeit als wir selbst in Byron Bay gelebt haben. Dazu aktuelle Videos wie es dort aussieht. Wir sprechen über die Tierwelt, die Pflanzen, die Bäume.

Dabei muss man natürlich aufpassen, die Erwartungen nicht zu hoch zu stecken. Im Endeffekt führen wir dort auch ein ganz normales Leben mit ganz normalem Alltag. Nicht jeder Moment ist ein Abenteuer. Das versuchen wir ihm auch zu vermitteln.


Die Frage die uns getroffen hat

Irgendwann fragte Joris: "Kommt dann keiner mehr zu meinem Geburtstag?"

Das hat gesessen.

Wir haben ihm gesagt, dass wir natürlich trotzdem mit allen reden werden. Dass es von allen Geschenke geben wird. Aber auch ehrlich: Dass wir anders und eingeschränkter feiern werden als hier. Dafür werden wir an dem Tag tolle Sachen zu viert erleben.

Keine Lüge, kein Schönreden. Aber auch kein Drama.

Die Fragen die er seitdem stellt

Joris stellt viele Fragen. Manche praktisch, manche emotional:

  • "Kann Oma und Opa uns besuchen?" – Ja, können sie. Und sie planen es auch schon.
  • "Haben die da auch [sein Lieblingsladen]?" – Nicht genau den. Aber ähnliche Sachen.
  • Fragen über Tiere, über das Meer, über sein zukünftiges Zimmer.

Was wir gelernt haben: Ehrlichkeit funktioniert besser als Schönreden. Wenn wir sagen "das wissen wir noch nicht genau", akzeptiert er das. Kinder merken wenn man ihnen etwas vormacht.


Linnea (2): Zu klein zum Verstehen, trotzdem dabei

Linnea ist zwei. Sie versteht die Komplexität des Ganzen natürlich noch nicht. Für sie ist wichtig, dass Mama, Papa und Joris dabei sind. Der Rest ist abstrakt.

Trotzdem wird sie komplett mit einbezogen. Sie kriegt auch Bilder gezeigt, sitzt dabei wenn wir über Australien sprechen, hört die Gespräche mit.

Hier müssen wir einfach schauen wie es dann dort wird. Ich denke, dass wir gerade alles tun um beide so gut wie möglich vorzubereiten. Mehr können wir nicht machen.


Wie wir das Thema eingeführt haben

Unser Ansatz war: Keine große Ankündigung, sondern langsames Einweben in den Alltag.

Da Lucy und ich viel über die Auswanderung sprechen, ist das Ganze ganz von allein Thema geworden. Anfangs nur wenn wir allein waren. Aber irgendwann wurde es auch im Familienalltag präsent.

Timeline: Joris hört jetzt seit mehr als 8 Monaten davon. Kein "Wir-müssen-reden"-Gespräch, sondern ein gradueller Prozess.

Das hat Vor- und Nachteile. Vorteil: Kein Schock, keine plötzliche Überforderung. Nachteil: Die Ungewissheit zieht sich. Aber für uns war das der richtige Weg.


Englisch lernen: StudyCat statt Vokabellisten

Joris lernt seit einigen Monaten Englisch. Nicht mit Vokabellisten oder Unterricht, sondern spielerisch.

Was wir nutzen: Eine App namens StudyCat. Eigentlich sind wir keine Freunde von iPad-Nutzung – normalerweise gibt es das bei uns nicht. Aber in diesem Fall hilft es wirklich.

Die App enthält kleine Mini-Games, und er hat tatsächlich Spaß daran. Was mich beeindruckt: Wie schnell er sich Wörter merkt und wie sie wirklich hängen bleiben.

Was noch funktioniert:

  • Beim Autofahren fragt er bei englischen Liedern oft, was die da gerade singen. Und er freut sich richtig, wenn er Wörter hört die er schon kennt.
  • Wir stellen ihm manchmal Fragen auf Englisch, die einzelne Wörter enthalten die er kennt. Erstaunlich: Er reimt sich den Rest der Frage selbst zusammen und versteht teilweise schon ganze Sätze.

Kein Druck, kein Zwang. Einfach Neugier nutzen.


Die Reaktionen aus dem Umfeld

Die Reaktionen auf unsere Auswanderung sind gemischt. Sehr gemischt.

Was wir oft hören

  • "Ihr nehmt den Kindern die Großeltern weg."
  • "Das ist eine überstürzte und unüberlegte Entscheidung."
  • "Ihr schafft das gar nicht ohne Familie."
  • "Ihr habt uns nicht mit einbezogen."
  • "Wir haben immer versucht, euch hier alles zu ermöglichen. Das Verhalten ist undankbar."

Das sitzt. Vor allem der Vorwurf der Undankbarkeit.

Die Ironie: Wir planen das seit fast einem Jahr. Überstürzt ist es definitiv nicht. Aber das sehen nicht alle so.

Was hilft

Manche reagieren anders. Verständnisvoll. Planen schon den ersten Besuch in Australien. Freuen sich mit uns, auch wenn sie traurig sind.

Wir haben beide Familien gebeten, sensibel mit dem Thema umzugehen – vor allem vor Joris. Nicht ständig "ihr geht ja bald weg" erwähnen. Das klappt mal besser, mal schlechter.

Ich habe meinen Eltern ehrlich gesagt erst recht spät davon erzählt, weil ich Angst vor der Reaktion hatte. Die war dann doch besser als befürchtet. Natürlich würden sie es sich anders wünschen. Aber sie versuchen, damit positiv umzugehen.


Was wir Joris nicht gesagt haben

Wir haben Joris nicht gesagt: "Wenn es nicht klappt, kommen wir zurück."

Wir haben ihm aber auch nicht gesagt, dass es ein Abschied für immer ist.

Beides wäre zu radikal. Die Option zurückzukommen halten wir für uns offen – aber auch erst wenn es wirklich nicht funktioniert, und nicht nach ein paar schwierigen Monaten. Wir wollen uns mindestens 1-2 Jahre Zeit geben.

Vor Joris sieht der Plan so aus wie er ist: Wir wollen uns dort ein Leben aufbauen. Punkt.


Unser Fazit nach Monaten der Vorbereitung

Ist es egoistisch, mit Kindern auszuwandern?

Vielleicht. Ein bisschen. Wir machen das auch für uns, nicht nur für die Kinder.

Aber wir glauben, dass es auch für Joris und Linnea langfristig das Richtige ist. Mehr Natur, mehr Leichtigkeit, mehr gemeinsame Zeit. Weniger von dieser schweren Stimmung die uns hier runterzieht.

Joris wird das eines Tages anders sehen als wir. Vielleicht wird er dankbar sein. Vielleicht wird er sauer sein, dass wir ihn von seinen Freunden getrennt haben. Wahrscheinlich beides, je nach Lebensphase.

Was wir ihm mitgeben wollen: Dass man sein Leben so gestalten kann, wie man es sich vorstellt. Nicht wie andere es erwarten.

Der Rest wird sich zeigen.


Stand: April 2026 – Wir sind noch in Deutschland. Abreise: 23. Juni (ich allein), 26. Juli (Lucy mit den Kindern). Updates folgen.

Dieser Beitrag beschreibt unsere persönliche Erfahrung. Jede Familie ist anders, jedes Kind reagiert anders. Was bei uns funktioniert muss nicht für euch passen. Das hier ist kein Ratgeber, sondern ein ehrlicher Bericht.


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